… IM AUGE DES BETRACHTERS

Manchmal sieht der Betrachter erstaunlich viele Dinge in einer Karte. Und manchmal sind die Assoziationen von präziser Buntheit. So schreibt Freund Hans zu dieser Sendung:

„Du hast mich mit einem Deiner kunstwerke erfreut, einer eigentlichen rahmenhandlung. Und gleichzeitig in rätsel gestürzt. Rahmen insofern, als der schwarzweisse stich der darstellung mit einem rahmen eingefasst ist. Und handlung, weil eine hand handelnd aus dem bild herausragt.
Der breite rahmen schwingt in türkisgrün-schwarzen barocken schnörkeln und locken. Und lockt in eine tiefe zu blicken, in der in gegenseitiger, etwas dozierender belehrung begriffene männer um einen wohl runden tisch versammelt sind. Sie trinken vermutlich tee, nicht kaffee. In ihren tassen, vier insgesamt und ohne untertellerchen, stecken löffelchen zum umrühren von zucker und/oder milch, die je in zierlichem kännchen und döschen auf dem tisch stehen. Eine stehende verdeckte figur, eher weiblich, dürfte als bedienstete anwesend sein.
Aus einer roten, grau gepaspelten ärmelmanschette, von links unten, ragt nach rechts oben eine hand heraus und bis auf den rechten und oberen bildrahmen. In natürlicher fleischfarbe. Durch den herausgriff aus dem bild, aus dem rahmen, kommt wieder der hang zur dreidimensionalität zur geltung, der mir bei vielen Deiner werke, martin, aufgefallen ist.
Bei der hand fällt der daumen auf, der in den weissen nagel ausgeht. Ich zähle immer wieder: Hat die hand neben dem daumen fünf finger? Nein, nicht finger, vielmehr finger und, nanu, NB beine. Der zeigefinger streckt sich entschieden vor als elegantes bein mit knie, fuss und zehenspitze. Ja, der ringfinger und der kleine finger: wieder beine mit fuss! Welcher finger oder fuss ist noch welcher finger?
Und nun? Hat die hybride hand hand und fuss? Handelt es sich um ein spiel der natur, eine aberration unserer DNA? Junk DNA? Eine fehlgegangene entwicklung der pharma industrie? Unsere zukunft im rückschritt auf vier oder gar fünf beine? Was wären die folgen für unsere musikinstrumente, für klavier und flügel? Und für die musik überhaupt? Wie geht es weiter mit dem händchenhalten? Werden im gegenzug aus unseren zehen finger? Stehen wir am ende kopf?  
Oder tritt hier eine ungeduld ins bild, der die zukunft nicht genügend behende im fingerspiel, sondern im sauseschritt heranbrausen soll.
Die hand ist mächtiger als die herren der wissenschaft, die sich am tisch besprechen und tee trinken.
Wie traulich in jedem fall das helvetische postwertzeichen Deiner und Eurer karte mit auricula muris, mausöhrlein, blauem augentrost.“